Verbraucherschutz: EU will Kreditkartengebühren senken
Die EU-Kommission in Brüssel möchte erneut regulierend eingreifen. Dieses Mal sollen Händler und Verbraucher spürbar entlastet werden. Am 3. April stimmte das Europaparlament für eine gesetzliche Deckelung der sogenannten Interbankengebühren. Doch was bedeuten diese Pläne für Inhaber von Kreditkarten?
Nach Angaben der EU-Kommission kosten die Interbankengebühren Händler und Verbraucher jedes Jahr zehn Milliarden Euro. Derzeit müssen Händler im Durchschnitt 1,2 Prozent vom Kaufpreis an die Bank bezahlen, wenn ein Kunde mit der Kreditkarte bezahlt. Nach den Plänen der EU sollen diese Gebühren bald deutlich sinken. Im Gespräch ist eine Deckelung auf 0,3 Prozent vom Kaufpreis bei Kreditkartenzahlungen. Wenn EC- oder Maestro-Karten zum Einsatz kommen, sollen die Gebühren maximal 0,20 Prozent oder 7 Cent betragen – abhängig davon, welcher Betrag niedriger ist. Diese Obergrenzen sind für nationale Zahlungen als auch grenzüberschreitende Transaktionen geplant. Bislang sträuben sich die Kreditkartenanbieter noch gegen die Pläne, denn die Interbankengebühren stellen eine wichtige Einnahmequelle dar. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, drohen sie mit einer Erhöhung der Jahresgebühr. Die neue Regelung kann nur in Kraft treten, wenn es zu einer Einigung mit den Eurostaaten kommt; Gespräche sollen im Sommer nach der Europawahl beginnen. Auch eine verbesserte Sicherheit bei Onlinezahlungen soll gesetzlich umgesetzt werden. Demnach müssten Onlineshops über die genauen Kosten bei Kreditkartenzahlung informieren. Verbraucher hätten außerdem das Recht, Zahlungsmittel von Drittanbietern zu nutzen, um Kosten zu sparen.
Mögliche Auswirkungen des Gesetzes
Interbankengebühren werden von den Banken, die die Kreditkarte herausgeben, individuell festgelegt. Sie werden immer dann fällig, wenn eine Zahlung mit Karte erfolgt, die Gebühren müssen vom Händler getragen werden. In der Regel schlagen Händler die Gebühren auf den Kaufpreis, sodass auch Kunden, die nur bar bezahlen, unmittelbar davon betroffen sind. Würden die Gebühren gesenkt, könnten die Händler die Ersparnis direkt an ihre Kunden weitergeben. Eine solche Strategie könnte etwa als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Händlern eingesetzt werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Kreditkartenanbieter höhere Grundgebühren verlangen würden oder sich an anderer Stelle die entgangenen Einnahmen vom Kunden wiederholen. Vor allem Kunden von den beiden Marktführern VISA und MasterCard wären betroffen.